Was bedeutet »inneres Atelier«?


Zum mit Joseph Beuys erweiterten Kunstbegriff und der Idee der Sozialen Plastik gehört auch ein erweiterter Atelierbegriff, denn:

Wenn wir alle mit dem, was wir tun und nicht tun, Mitgestaltende sind an dem, was ist und nicht ist, tragen wir unsichtbare Werkzeuge und -stoffe mit uns, aus denen unser Handeln hervorgeht – in einem primären, unsichtbaren Gestaltungsraum, der allen Menschen per Geburt eignet, doch oft ein Leben lang unentdeckt bleibt.

Sich dieses »inneren Ateliers« als Haltungsspielraum, als »Imaginationsraum« (Shelley Sacks) und als »Bewusstseinsraum« (Otto Scharmer) gewahr zu werden, erschließt eine kraftvolle Ressource für kreative Selbstbestimmung im Dienst dessen, was die Welt lebendig hält.

Vom eigenen inneren Atelier aus Bilder gelingender, lebensdienlicher Formen des Miteinanders zu entwickeln und zu teilen, erzeugt Selbstwirksamkeit und Zukunftsmut  – aus gehend von einzelnen Menschen bis in größere gesellschaftliche Zusammenhänge.

Auch fügt dieser unsichtbare Raum dem Freiheitsbegriff eine weithin übersehene Dimension hinzu. Steht es uns doch in jedem Moment frei zu entscheiden, wie und womit wir dem, was ist, begegnen. Unsere Mündigkeit als Bürger:innen demokratischer Gesellschaften wurzelt in der Fähigkeit, eigenständig zu stimmigen, reflektierten Antworten auf Gegebenes zu finden, anstatt lediglich zu reagieren oder gar manipuliert zu werden. Damit ergänzen wir gesetzlich vorgegebene Verantwortung durch ein kreatives »Antworten« in Selbstverantwortung.

Während jeder Mensch ein einzigartiges Atelier in sich trägt, ist dies zugleich ein Commons; ein Gemeingut, das wir alle miteinander teilen – und dessen Zustand für eine wünschenswerte Welt ebenso bedeutsam sein dürfte wie Wasser, Erde, Fischgründe oder Luft.

Im Kern ist dieser innere Raum nichts weniger als der Ort, an dem das Lebendige zu Bewusstheit gelangen will – zu Bewusstheit seiner selbst.

Das Bild vom »inneren Atelier« geht maßgeblich auf die Künstlerin Shelley Sacks, Pionierin auf dem Feld der Sozialen Plastik, zurück (siehe Zum Vertiefen).

TRÄUMMAL | Eine Soziale Plastik
Initiatorin: Tanja Corbach mit Axel Weigend und Hildegard Kurt
Träger: und.Institut für Kunst Kultur und Zukunftsfähigkeit e.V.
, Berlin

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